«

»

Nov 10 2021

Armut muss nicht sein – Gewerkschaften

Noch ein kleiner Auszug aus meinem Buch: Hertha Kerz sagt … Armut muss nicht sein – Geld richtig verwalten

Gewerkschaftsmitgliedschaft – nur für Funktionäre

Gerd Altmann auf Pixabay

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

Jeder Deutsche ist durchschnittlich in siebzehn Vereinen, Institutionen und sonstigen Einrichtungen Mitglied. Tatsächlich werden von den freiwilligen Mitgliedschaften jedoch nur maximal zwei genutzt. Das heißt, für fünfzehn Mitgliedschaften zahlt der Bürger nur, ohne davon zu profitieren. Zur Mitgliedschaft zählen Abonnements, Spenden und alles, für das Sie regelmäßig monatlich, vierteljährlich oder jährlich einen festen (manchmal auch individuellen) Beitrag zahlen. In Deutschland lieben wir unsere Gewerkschaften. Doch tatsächlich haben nur wenige etwas von der Mitgliedschaft. Sie auf jeden Fall nicht: Überprüfen Sie Ihre Mitgliedschaft auf folgende 9 Kriterien und rechnen Sie selbst:

Notwendige Vorteile der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft

  • Was bringt Ihnen die Mitgliedschaft?
  • Wann haben Sie das letzte Mal dieses Angebot genutzt?
  • Ist das Angebot den Mitgliedsbeitrag wert?
  • Hat Ihre Mitgliedschaft nur einen ideellen Wert? Sind sie vielleicht sogar nur Fördermitglied?
  • Sind Sie nur Mitglied, weil XY auch Mitglied ist? Weil XY Mitglied war, die Bekanntschaft / Freundschaft lange vorbei ist? Oder XY schon lange selbst nicht mehr Mitglied ist?
  • Ist Ihnen das Thema wichtig, haben Sie aber selbst wenig Interesse, aktiv zu werden?
  • Sind Sie aus Gewohnheit Mitglied?
  • Beruhigen Sie mit Ihrer Mitgliedschaft nur Ihr schlechtes Gewissen?
  • Wurden Sie auf der Straße zur Mitgliedschaft überredet?

Damit Sie ein besseres Verständnis davon haben, was ich meine, möchte ich eine Beispielrechnung vorstellen. Prüfen Sie selbst, ob das auch auf Sie zutrifft. 

Rechenbeispiel 
Gewerkschaftsbeitrag

Stellen wir jetzt einmal ein Gewerkschaftsmitglied und ein Nichtmitglied gegenüber. Und tun wir einmal so, als ob das Nichtmitglied nie von einer Tariferhöhung profitiert. Beide verdienen je 3.000,- €. Der Tarifvertrag läuft 24 Monate.

.

 

Mitglied (M)

Nichtmitglied (NM)

Bruttogehalt monatlich

3.000,- €

3.000,- €

 

 

 

Bruttogehalt 2015 x 12 Monate

36.000,- €

36.000,- €

Gewerkschaftsbeitrag x 12

360,- €

——

Bruttogehalt 2015 abzüglich Gewerkschaftsbetrag

35.640,- €

36.000,- €

Bruttogehalt 2016 (das Gleiche wie 2015)

35.640,- €

36.000,- €

Bruttogehalt 2015 und 2016 zusammen =

71.280,- €

72.000,- €

 

 

 

Tarifverhandlung 2,4 % mehr ab 1.1.2017 = 72,- € / Monat x 12 = 864,- €

864,- €

——

Bruttogehalt 2017 x 12 Monate = 12 x 3.072,- €

36.864,- €

36.000,- €

Gewerkschaftsbeitrag = 1 % von 36.864,- €

369,- €

——-

Bruttogehalt 2017 – Gewerkschaftsbeitrag

36.495,- €

36.000,- €

Gehälter 2015 + 2016 + 2017 zusammen

107.775,- €

108.000,- €

 

 

 

Jetzt dürfen Sie weiter rechnen

 

 

 

Kurze Erklärung: Beispieljahre 2015 – 2017. 2015 erhalten Nichtmitglied (NM) und Mitglied (M) je 3.000,- € Gehalt im Monat brutto. Der Mitgliedsbeitrag für die Gewerkschaft beträgt 1 % vom Brutto = 30,- € / Monat x 12 Monate = 360,- € im Jahr

Am Ende des Jahres 2015 hat das M 35.640,- € (36.000,- – 360,- €) brutto,

das NM 36.000,- €. Das M hat einen Verlust von 360,- € (Gewerkschaftsbeitrag)

Ende 2016 das Gleiche:

Das M hat ein Brutto von 35.640,- € (36.000,- – 360,- €) brutto,

das NM 36.000,- €. Das M hat wieder einen Verlust von 360,- €

Für 2015 und 2016 heißt das:

das M hat ein Brutto von 71.280,- €

das NM = 72.000,- €. (Ich sage mal ganz frech, dass das NM keine Erhöhung erhält, weil es nicht in der Gewerkschaft ist)

Das M hat somit einen Verlust von 720,- € (Gewerkschaftsbeiträge)

Für 2017 gibt es eine tarifliche Erhöhung von 2,4 % = 72,- € x 12 = 864,- €. (Ich rechne hier zur besseren Übersichtlichkeit ab 1.1.2017)

Jetzt verdient das M ein Brutto von 3.072,- € im Monat x 12 = 37.224,- € im Jahr und hat einen Gewerkschaftsbeitrag von 30,70 x 12 = 369,- €

Am Ende des Jahres 2017 hat

Das M ein Brutto von 36.855,- €

Das NM immer noch 3.000,- € / 36.000,- €

Was haben beide nun in diesen drei Jahren insgesamt brutto verdient?

In den Jahren 2015 + 2016 + 2017 hat das M insgesamt

 

Mitglied

Nichtmitglied

2015

35.640,- €

36.000,- €

2016

35.640,- €

36.000,- €

2017

36.495,- €

36.000,- €

Zusammen

107.775,- €

108,000,- €

 

Das heißt, das M hat 2015 draufgezahlt, 2016 draufgezahlt und 2017, obwohl es für das gesamte Jahr 495,- € mehr erhielt, insgesamt wieder draufgezahlt. Insgesamt erhielt es 107.775,- €.

Vorteile für Nichtmitglieder ohne Gewerkschaft

Das NM hat dagegen jährlich seine 36.000,- € erhalten und insgesamt 108.000,- € bekommen. Und damit 225,- € mehr – ohne Gewerkschaft, ohne Streik. Hat diese Zeit vielleicht sogar für eine Weiterbildung genutzt …

Und jetzt noch eine ketzerische Frage; Wenn es um eine Beförderung geht, für wen glauben Sie, wird sich Cheffe entscheiden? Für ein renitentes Gewerkschaftsmitglied oder für einen fähigen Mitarbeiter, der die Ziele des Unternehmens im Auge hat?

„Das ist ja unverschämt, diese dämliche Kerz! Wie sollen die Leute denn mehr Geld kriegen, wenn alle so egoistisch dächten. Wie asozial ist das denn?“

Gegenargumente nicht in eine Gewerkschaft einzutreten

Ich höre Sie schon entsprechend grunzen. Doch bevor Sie dies in die Welt hinausquieken, denken Sie einen Augenblick nach: Was gibt Ihnen Erfüllung im Job? Nervtötende Wiederholung oder eine abwechslungsreiche Tätigkeit, Entscheidungsfreiheit und Weisungsbefugnis? Und wenn Sie mehr Geld wollten, was wäre besser? Mit dem Mob auf die Straße ziehen, andere Menschen durch Nichttun terrorisieren (beispielsweise Flughafen und Bahn) – oder durch einen adäquaten Job mehr verdienen als Ihre Kollegen, die sich vermutlich nicht einmal ansatzweise trauen, Verantwortung zu übernehmen und damit auch nie eine bessere Position in der Firma erhalten? Denn Fakt ist, je verantwortungsvoller eine Arbeit ist, desto besser wird sie dotiert.

Rechnerischer Vergleich einer (Nicht)Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft

Das Beispiel habe ich unter drei Voraussetzungen gestellt:

  1. die Tariferhöhung betrug zwingend mindestens 2,4 %
  2. es war kein Streiktag angesetzt. An Streiktagen erhält das M, je nachdem, wie lange es schon in der Gewerkschaft ist, nur zwischen 70 und 84 Prozent seines Einkommens. Denn für Streiktage zahlt die Gewerkschaft nur 70 – 80 % des Lohns / Gehalts. (Wenn also jemand 3.000,- € / Monat verdient, verdient er täglich 100,- €. An Streiktagen jedoch nur zwischen 70,- und 80,- €).
  3. das M muss durch die Einkommenserhöhung nicht mehr Steuern zahlen. Denn durch Lohnerhöhungen rutschen Arbeitnehmer schnell mal in die nächste Steuerklasse – und der größte Teil der Erhöhung ist weg.

Das NM hat dagegen konstant jährlich 36.000,- € x 3 Jahre = 108.000,- € verdient.

  • Prüfen Sie Ihre Mitgliedschaft nach den neun Kriterien.
  • Prüfen Sie Ihre Mitgliedschaft nach den eben gemachten Berechnungen.
  • Rechnen Sie nach, ob sich das Preis- / Leistungsverhältnis für Sie lohnt. Wie viel kostet Sie die Mitgliedschaft und was erhalten Sie finanziell? Stellen sie die Beträge gegenüber.
  • Wie viele Streiktage hatten Sie vor der letzten Tariferhöhung.
  • Prüfen Sie, ob es für Sie sinnvoller ist, mit dem Geld, welches Ihnen zur Verfügung steht, auskommen zu lernen.
  • Prüfen Sie letztendlich, ob es sich für sie eher lohnt, einen Job mit besseren Konditionen zu suchen.

Menr dazu in meinem Buch Hertha Kerz sagt … Armut muss nicht sein – Geld richtig verwalten„. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>