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Nov 10

Organspende und Datenmissbrauch

 

Gesundheitsminister Spahn will, wie schon in anderen Ländern üblich, dass Menschen automatisch Organspender werden, wenn sie dem nicht ausdrücklich widersprechen. Dies, weil zu wenige Menschen bereit seien, ihre Organe nach dem Tod zur Verfügung zu stellen. Momentan ist es so, dass ein Mensch sich zu Lebzeiten ausdrücklich dafür entscheiden muss, seine Organe spenden zu wollen. Dies würde mit dem Ministerentwurf ins Gegenteil verkehrt. Die körperliche Unversehrtheit, die dem Menschen durch das Grundgesetz zugesichert wird, müsste er einfordern, statt das es ihm von Rechts wegen zusteht.

Ich möchte diesen Gedankengang einmal fortführen. Die Frage stellt sich, ob sich Deutsche mit Bürgern anderer Länder vergleichen können. Deutsche sind in allem sehr rigoros. Wohin könnte die Widerspruchslösung führen?

Nach dem Willen von Minister Spahn sollen Menschen nicht mehr nur ihren Organspenderausweis bei sich tragen, sondern sollen mit ihrem Für oder Wider in einer Datei gespeichert werden. Was könnte nun zukünftig passieren?

Zuerst wäre da einmal die ärztliche Versorgung. Wäre es möglich, dass Menschen, die sich gegen Organspende aussprechen, nicht mehr die vollumfängliche Versorgung erhalten, die Organspender bekommen? In England werden schon heute Menschen, die über 75 Jahre alt sind, nicht mehr vernünftig ärztlich versorgt – egal, ob sie Spender sind oder nicht.

Dann wäre die Zahlungspflicht. Schon heute müssen Menschen in Deutschland, die es wagen, keine Kinder zu haben, eine Extraabgabe zahlen.

Aber auch die Organspender könnten Nachteile erfahren. Vielleicht reicht dem medizinischen Apparat der Hirntod irgendwann nicht mehr? Vielleicht werden alsdann Menschen, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie in Kürze sterben, die Organe schon entnommen?

Vielleicht wird das Alter für ärztliche Versorgung auch in Deutschland begrenzt? Erst auf 75, dann auf 70, dann auf 65 …

Schon heute wird das Rentenbezugsalter kontinuierlich heraufgesetzt, weil der Gesetzgeber eine Heidenangst davor hat, dass die Babyboomerjahre ins Rentenalter kommen könnten. Und so schieben sie das Rentenalter immer weiter hinaus, um diesen Status zu verhindern.

Vielleicht wird es irgendwann neben einer Abgabe für Nichtorganspender, dann eine weitere Zuzahlungspflicht für Nichtspender geben, damit Empfänger behandelt werden können?

Vielleicht kommt dann im Ganzen eine Zuzahlungspflicht für den Organempfang, mit der Argumentation, dass es sie ja schon beim Zahnersatz gäbe.

Absurd? Nicht unter diesem Minister. Sein neuester Coup: Aktuell will er, dass die Krankenkassen die Daten aller 70 Millionen gesetzlich Versicherten zu Forschungszwecken weitergegeben sollen. Alles unter dem Deckmäntelchen, er habe nur das Wohl der Menschen im Blick und wolle damit helfen, mehr Erkenntnisse über chronische Erkrankungen zu erlangen. Die Datenweitergabe soll selbstverständlich nur anonymisiert stattfinden. Doch jeder, der schon einmal eine Untersuchung mit Probandendaten durchgeführt hat weiß, dass es keine wirkliche Anonymisierung gibt. Rückschlüsse sind jederzeit machbar. Unmöglich gibt es hier nicht. Aber der Bundestag hat das Gesetz dennoch angenommen.

So werden Pharmaunternehmen und alle ‚die Interesse an unseren Daten haben‘, zukünftig diese nach Gutdünken missbrauchen.

Wie für Frauen oft üblich, hat sich Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks von der SPD, die auch für den Verbraucherschutz zuständig ist, natürlich nicht geäußert. Feige hält sie sich vornehm zurück. Vielleicht sollte dieser Dame einmal jemand erklären, welche Aufgaben ihr Amt mit sich bringt.

Wieder zurück zum Thema Organspende. Es ist also zu sehen. Mit Minister Spahns Entscheidung sind allen denkbaren Auswüchsen, und noch vielen mehr, Tür und Tor geöffnet.

Wer profitiert von einer Organspende? Wirklich die Empfänger? Nach einem Bericht im Spiegel, der dort schon vor Jahren veröffentlicht wurde, sind die meisten nicht sehr glücklich. 51 Prozent sprechen immer nur von dem Herzen, der Niere, der Leber etc. nicht von meinem Herzen, meiner Niere, meiner Leber. Viele beklagen, wenn sie optimal aufgeklärt worden wären und ihnen alle Informationen zur Verfügung gestanden hätten, hätten sie es niemals gemacht. Denn den Rest ihres Lebens, welches häufig recht qualvoll ist, futtern sie ohne Ende Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems, gegen die Nebenwirkungen der Medikamente, für das Herz-Kreislauf-System, welches mit der Spende völlig überfordert ist usw. usf.

Schöne neue Welt.

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